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Leserbriefe zum Artikel in der Berliner Morgenpost

Liebe Vereinskameradinnen und Kameraden,

am Sonnabend, den 13.10.07, erschien ein Bericht in der Berliner Morgenpost über das traurige Kapitel der Renaturierung in unserem geliebten Klein Venedig. Frau Hube bestärkt darin unsere Vermutung, daß die für eine Renaturierung zwingend erforderliche nachhaltige Pflege der Landschaft aus Geldmangel nicht gewährleistet sei.

Somit kann also auch nicht von Renaturierung, sondern nur von Brachenbildung die Rede sein, die allerdings keinen öffentlichen Zweck darstellt. Unser Verein ist damit bei den Lesern der Berliner Morgenpost bekannt geworden. Nun ist es Zeit, Leserbriefe zu schreiben.

Leserbrief von Hermann und Waltraud Briesemeister, Rangsdorf

"Ein verlorenes Paradies mehr. Schade!!!!!!!

Für viele Jahre war Tiefwerder unser Geheimtipp für gemütliche naturnahe Stunden. Da die schöne Umgebung Berlins  obwohl so nah - für uns Jahrzehnte unerreichbar war, blieben nur relativ wenige Orte zur Erholung im Stadtgebiet. Der Grunewald, der Spandauer oder Tegeler Forst sowie das Strandbad Wannsee waren die zur Auswahl stehenden Naturareale. In besonderer Erinnerung bleiben aber die Stunden in Tiefwerder. Freunde hatten eine Laube am Wasser. Die Großstadt schien unendlich fern, kein Autolärm, keine Abgase - Natur pur zum Anfassen. Das Quaken der Frösche, das Schnattern der Enten, das Säuseln des Windes in den Blättern bildeten die unvergessene Geräuschkulisse. Das üppige Grün einer offensichtlich gesunden Natur versperrte jeglichen Blick auf die nahen Wohnblocks. Mit uns haben Viele (Anwohner, Besucher, Paddler etc.) das Tiefwerdergebiet genossen. Nicht nur auswärtige Freunde, denen wir diese auch vielen Berlinern unbekannte Seite unserer Heimatstadt zeigen konnten, waren überrascht, so etwas im Stadtgebiet zu finden.

Uns ist unverständlich, warum ein offensichtlich funktionierendes Biotop von hohem Erholungswert ohne überzeugende Notwendigkeit zugunsten nebulöser Pläne mutwillig und sicherlich mit hohem finanziellen Aufwand zerstört wird. Der den Vertriebenen angetane psychische Schaden ist ohnehin nicht messbar und wird von den behördlichen Aktivisten ignoriert.

Unzweifelhaft weichen die vom Volk gesetzten Prioritäten häufig von denen in den zuständigen Amtsstuben als vordringlich erachteten deutlich ab. So lange in den Straßen das Unkraut aus den Gehwegen sprießt und ungehemmt wuchernde Büsche verkehr- gefährdend die Sicht behindern, sollten sich die zuständigen Ämter erst um dieses kümmern.
"


Familie Briesemeister

 

Leserbrief von Frau Ruth Frisch, Tegel

"Ich bin seit 67 Jahren Nutzerin eines der Grundstücke in Tiefwerder, eine der letzten auf städtischem Grund. Die meisten Grundstücke sind jedoch in Privatbesitz. Vor ca. 26 Jahren wurde mir vom BZA Spandau die Zusage gegeben, dass ich das Grundstück bis zu meinem Tode nutzen darf. Die gleichen Zusagen erhielten auch die anderen Pächter städtischer Parzellen. An diese Zusage will das BZA sich nicht mehr halten. Mit massivem Druck, Klageandrohung etc. haben viele Nachbarn ihre Grundstücke aufgegeben, nicht zuletzt, weil das BZA Forderungen an die Pächter gestellt hat, vor denen sie kapituliert haben. Das BZA Spandau hat den Pächtern gedroht, dass die Abrisskosten, Gerichtskosten usw. von den Pächtern zu tragen sind, und hat dabei völlig überhöhte Beiträge angeführt. Dadurch haben einige verzweifelt ihre Grundstücke aufgegeben. Nach dem Abriss der Lauben, ist das Gebiet eine Brache. Es blieben Stege, Fundamente und Uferbefestigungen zurück. Die ehemals liebevoll gepflegten Gärten und Lauben sind weg. Von Renaturierung keine Spur."

Ruth Frisch, Tegel

Leserbrief von Familie Burgmann, Spandau

"Sehr geehrte Damen und Herren,mein Leserbrief kommt aus verschiedenen Gründenverspätet. Ich möchte mich bei Ihnen für die Hilfebedanken und den Artikel, der hoffentlich vor Gerichtdie fragwürdige Renaturierung zur Sprache bringenwird. Während andere Zeitungen sich nur bei mehrspektakulären Dingen einbringen, ist die BerlinerMorgenpost auch immer zur Stelle, wenn es um dieBelange der „kleinen Leute“ geht (in unserem Fall gehtes aber auch um verbrannte Millionen Gasag- undBahn-Ausgleichsgelder, die der kleine Mann dann wiederals Forderung der wirtschaftlich handelndenUnternehmen auf seinen Rechnungen und Fahrpreisenwiederfindet.Es schmerzt, wenn man seinen Ruhestand im eigenenGarten verbringen möchte und dann aus diesem mitfadenscheinigen Gründen vertrieben wird. Es schmerztnoch mehr, weil der vorgeschobenen Renaturierung imöffentlichen Interesse die gesetzliche Grundlage,nämlich der notwendige Landschaftsplan, fehlt und diebisherigen Ergebnisse eine erschreckendeUnprofessionalität in der Ausführung offenbaren. Spezialisten sollten wissen, dass jedem Handeln Plänezugrunde liegen sollten, um die Auswirkungen auf dieUmwelt beurteilen, die Folgen und Kosten kontrollierenund betroffene Bürger bei der Diskussion beteiligen zukönnen. Im Fall Klein Venedigs werden die Interessender Bürger nicht nur ignoriert, sondern es wirdschikanös gegen sie gehandelt. Die Vertreibung derüberwiegend älteren Mieter, denen ein Bleiberechtzugesichert war, mittels Drohungen und Lockangeboten,ist ein unglaubliches Kabinettstückchen. Während derBezirk mit Klein Venedig in Tiefwerder touristischwirbt, soll es jetzt faktisch beseitigt werden. Wietief ist ein Land gesunken, wenn man nicht einmalseiner Verwaltung mehr trauen darf. Diesensibilisierten Bürger haben deshalb dieHerausforderung angenommen und entwickeln imInteressenverband der Freunde Klein Venedigs eigeneVorstellungen und Ziele zur Erhaltung deseinzigartigen Biotops, siehe  www.kleinvenedig-Berlin.de."

Familie Burgmann

Bürgerfernes Bezirksamt

Zum Artikel "Kleingärtner kämpfen um Klein-Venedig" vom 18. Oktober

"Wie "bürgerfern" das Bezirksamt mit legalen Pächtern in Tiefwerder umgeht, ist belegt durch das mobbingartige Vorgehen gegen die Pächter der Wochenendgrundstücke. Erst wurde von derselben Behörde über Jahrzehnte Pacht für die Nutzung der Grundstücke eingestrichen und dann die Nutzung für illegal erklärt! Auch wurde den meist älteren Pächtern damit gedroht, dass sie bis zu 15 000 Euro Abräumkosten zu tragen hätten, wenn sie nicht freiwillig der Räumung zustimmen würden. Anstatt diesen älteren und verdienten Bürgern - die am Aufbau Berlins mitgewirkt haben - die "grüne Scholle" bis zu ihrem Lebensende zu gewähren, wurden sie mit beschämenden Maßnahmen vertrieben. Die derart vorangetriebene "Landgewinnung" des Spandauer Grünflächenamtes endet dann aber abrupt, weil angeblich kein Geld - welch eine Überraschung - für die weitere Pflege mehr vorhanden ist.
Die Methode, erst handeln und dann über die Konsequenzen nachdenken, ist offensichtlich nur ein Berliner Phänomen, denn in anderen Bundesländern muss erst eine Planung für die nachhaltige Pflege mit Kosten erstellt werden, bevor eine Fläche "renaturiert" wird!
Dies sollte auch der Finanzsenator genauer überprüfen, denn die Spandauer haben viel Übung beim Versenken von Geld in den Sumpflöchern Tiefwerders!
An der Redlichkeit des Grünflächenamtes sind weitere, erhebliche Zweifel anzumelden, da zum Beispiel die nur noch zu einem Bruchteil genutzte Bezirksgärtnerei in Tiefwerder Schrott- und Reparaturplatz für defekte Maschinen ist. Leere Treibhäuser und leere Gebäude (mit Asbestzement eingedeckt!) sind durch Betonflächen miteinander verbunden. Da das ganze Ensemble in einer "geschützten Grünanlage" liegt, hätte eine Renaturierung vorbildlichen Charakter, jetzt stellt sie eine Gewerbebrache dar."


Helmuth Klatt, Charlottenburg

 

Sehn se, det is Berlin.

"Ein Schloßaufbau mit dem Volkskammersaal der zweiten deutschen Diktatur, der Verzicht auf den Flughafen Tempelhof (Wiege der Luftfahrt) sogar als Luftfahrtmuseum, die Renaturierung in Tiefwerder / Spandau mittels Zerstörung der Natur, das macht uns so leicht keiner nach. Wenn man so weitermacht, und den Berlinern noch die Lebensfreunde nimmt, dann kann man bald wieder überall Parkplätze finden, so wie es das Ziel Frank Sinatras war. Da die dann aber auch keiner mehr braucht, werden auch sie versteppen."

Pachulke,

Links zum Thema

 Link zum Artikel der Berliner Morgenpost

 Leserbriefe zum dieserm Artikel

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